Bitcoin im Portfolio: Was die JPM-Kapitalmarktannahmen 2027 hergeben
J.P. Morgan Asset Management rechnet in seinen langfristigen Kapitalmarktannahmen 2027 erstmals mit Bitcoin: 10.0 % pro Jahr im Basisfall, nimmt Bitcoin aber nicht in seine Portfolios auf. Diese Seite zeigt, was der Report sagt, was sich mit seinen eigenen Zahlen weiterrechnen lässt, wie sich zwei Beispielportfolios mit Bitcoin seit 2014 in Franken entwickelt hätten und was der Ausblick nach JPM und nach dem Power Law ergibt.
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Kurzfassung
- JPM gibt Bitcoin erstmals eine Rendite-Spanne: 10.0 % pro Jahr im Basisfall, -11.2 % im Bären- und 16.6 % im Bullenfall, über 10 Jahre, bei 55.0 % Volatilität. JPM S. 47
- Aber nicht im Portfolio: JPM nimmt Bitcoin nicht in seine Haupt-Kovarianzmatrizen auf und sieht darin «a speculative asset and a hedge against monetary easing». JPM S. 4, 46
- Mit JPMs eigenen Zahlen weitergerechnet ergäbe im ausgewogenen 60/40-Portfolio ein Bitcoin-Anteil von 13.4 % rechnerisch die höchste Sharpe Ratio (eine Kennzahl, keine Empfehlung); über Volatilitäten von 30 bis 70 % und Korrelationen von 0 bis 0.7 liegt dieser Anteil zwischen 6.0 und 26.6 %. Mit JPMs Bärenfall wären es bei JPMs Werten 0.0 %. Rechnung
- Wirkung einer kleinen Beimischung im Modell: 2 % Bitcoin heben die Sharpe Ratio des 60/40 um +0.0172, 2 % Gold oder Hedgefonds um je +0.0033. Rechnung
- Rückblick in Franken (bis …, CHF 100'000, jährlich rebalanciert): Kauf Ende September 2014 im 60/40 (P1): ohne Bitcoin CHF …, mit 10 % Bitcoin CHF …; der grösste Verlust stieg dabei von … auf …. Kauf Ende Oktober 2021, kurz vor dem damaligen Höchststand, mit Bitcoin statt Gold (P2): ohne Bitcoin CHF …, mit 10 % Bitcoin CHF …. Rechnung
- Die Modellwelt kennt keine Abstürze: Die Rechnung unterstellt normalverteilte Renditen. Bitcoin fiel seit 2014 dreimal um mehr als die Hälfte: −83 % (Dez. 2017 bis Dez. 2018), −77 % (Nov. 2021 bis Nov. 2022) und −53 % (Okt. 2025 bis Juni 2026, Stand Oktober 2026), jeweils Tagesschlusskurse in USD. Rechnung
- Power Law und JPM liegen auseinander: Schon der Power-Law-Floor unterstellt vom heutigen Kurs aus über 10 Jahre rund … % pro Jahr — …. Vorsichtig ist der Floor nur, solange das Power Law hält. Annahme
1. Was im Report steht
Die Long-Term Capital Market Assumptions (LTCMA) erscheinen jährlich und schätzen Rendite, Risiko und Korrelationen von über 200 Anlageklassen für die nächsten 10 bis 15 Jahre, in USD und nominal. Die 31. Ausgabe erschien am 19.10.2026 mit Datenstand 30.09.2026. JPM S. 4
Bitcoin: drei Szenarien statt einer Zahl
JPM leitet die Bitcoin-Rendite aus drei Ansätzen ab und gewichtet sie nach dem eigenen Vertrauen 65 : 30 : 5. Ausgangspunkt ist ein Kurs von 83'000 USD. JPM S. 47, Exhibit A
| Ansatz (Gewicht) | Basis | Bär | Bulle |
|---|---|---|---|
| Angebot im Vierjahreszyklus gegen Geldmenge (65 %) | 10.7 % | −9.7 % | 17.0 % |
| Ergänzung zu Gold, im Bullenfall auch in Notenbankreserven (30 %) | 10.7 % | −13.3 % | 17.3 % |
| Nutzung des Bitcoin-Netzwerks (5 %) | −3.2 % | −19.1 % | 6.1 % |
| Gesamt | 10.0 % | −11.2 % | 16.6 % |
Zum Portfolio schreibt JPM: «At the moment, we do not make a case for bitcoin (BTC) as a diversifier in portfolios due to its unstable market correlations. We see bitcoin as a speculative asset and a hedge against monetary easing.» JPM S. 46 Und in den Kernaussagen: «we do not yet include bitcoin in our main covariance matrices.» JPM S. 4
Die Tabelle, mit der sich weiterrechnen lässt
Trotzdem liefert JPM eine eigenständige, ausdrücklich «illustrative» Tabelle mit Rendite, Volatilität und historischen Korrelationen von Bitcoin zu den wichtigsten USD-Anlagen. Auszug: JPM S. 47, Exhibit B
| Anlage | Rendite geometrisch | Rendite arithmetisch | Volatilität | Korrelation zu Bitcoin |
|---|---|---|---|---|
| Wird geladen … | ||||
Die geometrische Rendite ist das, was ein Anleger über die Jahre tatsächlich erzielt (durchschnittliches Wachstum, «compound»). Die arithmetische ist der Erwartungswert eines einzelnen Jahres; sie liegt umso höher, je stärker eine Anlage schwankt. Portfoliorechnungen brauchen die arithmetische.
Die beiden Portfolios von JPM
- Ausgewogen 60/40: 60 % Aktien Welt (MSCI ACWI), 40 % US-Anleihen (Bloomberg US Aggregate), erwartet 7.0 % pro Jahr in USD. JPM S. 4, 6
- Mit 30 % Alternativen: 40 % ACWI, 30 % US Aggregate, je 7.5 % Private Equity, Immobilien und Real Assets, 4.5 % Private Credit, 3 % Hedgefonds, erwartet 7.5 %. JPM S. 4, 8 Es besteht aus Privatmarktanlagen ohne öffentliche Kurse; für einen Rückblick lässt es sich nicht nachbilden.
Grenzen wie «höchstens 30 % Alternativen» oder «höchstens 10 % je Alternative» kommen in Report und Methodik-Handbuch nicht vor. Wo sie zitiert werden, stammen sie nicht von JPM.
Teuerung und Franken
Für die USA rechnet JPM mit 2.4 % Teuerung pro Jahr, für die Schweiz mit 1.1 %. JPM S. 18 Den Franken sieht JPM in 10 bis 15 Jahren bei 1.34 USD (Stichtag: 1.1974). JPM S. 12 Daraus folgt eine USD-Abwertung gegenüber dem Franken von 1.12 % pro Jahr, wenn das Ziel nach 10 Jahren erreicht ist, oder 0.75 % bei 15 Jahren. Rechnung
2. Was sich mit JPMs Zahlen rechnen lässt
JPM liefert alle Zutaten, rechnet aber kein Portfolio mit Bitcoin. Die folgenden Rechnungen benutzen nur die Tabelle von S. 47 und Standardformeln der Portfoliotheorie (Markowitz). Cash ist der US-Geldmarkt mit 3.2 %.
2.1 Von geometrisch zu arithmetisch
Bei log-normal verteilten Jahresrenditen hängen geometrische Rendite g, arithmetische Rendite a und Volatilität σ so zusammen:
1 + g = (1 + a) / √(1 + σ² / (1 + a)²)
Diese Formel reproduziert die arithmetischen Renditen der JPM-Tabelle für alle 13 Anlagen auf die ausgewiesene Stelle genau — für Bitcoin aus 10.0 % und 55 % genau die 20.9 %. Mit ihr lassen sich deshalb auch andere Volatilitäten konsistent durchrechnen. Rechnung
2.2 Bei welchem Bitcoin-Anteil ist die Sharpe Ratio des 60/40 am höchsten?
Gemeint ist rein rechnerisch der Anteil, bei dem das Verhältnis von Mehrrendite über Cash zu Schwankung (Sharpe Ratio) am höchsten ist — eine Kennzahl, keine Empfehlung. Er hängt an zwei unsicheren Grössen: der Volatilität von Bitcoin und seiner Korrelation zum Portfolio. JPMs eigene Werte ergeben eine Korrelation von 0.32 zum 60/40 und 55 % Volatilität — das umrandete Feld. Rechnung
| Wird gerechnet … |
Zeilen: Bitcoin-Volatilität. Spalten: Korrelation zum 60/40. Wert: Bitcoin-Anteil mit der höchsten Sharpe Ratio in %, ohne Hebel und Leerverkäufe. Die geometrische Rendite bleibt fest, die arithmetische folgt je Zeile aus 2.1.
Bei 10 % geometrischer Rendite ist der Anteil in jedem Feld grösser als null. Im JPM-Bärenfall (−11.2 %) ist er fast überall null; nur bei 70 % Volatilität und sehr tiefer Korrelation bleibt ein Rest von bis zu 1.9 %.
2.3 Was 2 % Beimischung bewirken
Gleiche Frage, andere Richtung: Um wie viel steigt die Sharpe Ratio des 60/40, wenn man 2 % einer Anlage beimischt (und das 60/40 anteilig um 2 % verkleinert)? Die Korrelation jeder Anlage zum 60/40 folgt aus der Tabelle. Rechnung
| Anlage | Korrelation zum 60/40 | Sharpe Ratio danach | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Wird gerechnet … | |||
Sharpe Ratio = (arithmetische Rendite − Cash) / Volatilität. 60/40 ohne Beimischung: 0.379.
3. Zwei Beispielportfolios
Für Rückblick und Ausblick nehmen wir zwei Portfolios aus Anlagen, die JPM in der Tabelle führt und die sich mit börsengehandelten Fonds nachbilden lassen. Bitcoin kommt in Stufen von 0, 2, 5 und 10 % dazu.
P1 — JPM 60/40
60 % Aktien Welt, 40 % US-Anleihen, genau wie bei JPM. JPM S. 6 Bitcoin wird anteilig aus Aktien und Anleihen finanziert, weil JPM dafür keine Regel vorgibt. Annahme
P2 — 60/40 mit Gold
55 % Aktien Welt, 35 % US-Anleihen, 10 % Gold. Ein vacatum-Beispiel mit JPM-Anlageklassen, kein JPM-Portfolio. Bitcoin wird aus Gold finanziert; bei 10 % Bitcoin ist das Gold ganz ersetzt. Annahme
Was JPMs Zahlen für die acht Varianten erwarten lassen (USD, nominal, jährlich rebalanciert): Rechnung
| Portfolio | Bitcoin | Aktien Welt | US-Anleihen | Gold | Rendite p.a. | Volatilität | Sharpe Ratio |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Wird gerechnet … | |||||||
Auffällig: P2 erwartet ohne Bitcoin dieselbe Rendite wie das 60/40, schwankt aber weniger (11.26 statt 11.72 %). Gold hat im Modell also schon eine Aufgabe. Wer Gold durch Bitcoin ersetzt, tauscht diese Dämpfung gegen mehr erwartete Rendite.
4. Rückblick: Was wäre bereits möglich gewesen?
Echte Monatsdaten statt Annahmen: Aktien Welt (ETF auf den MSCI ACWI), US-Anleihen (ETF auf den Bloomberg US Aggregate) und Gold (Gold-ETF), jeweils mit Ausschüttungen, dazu der Bitcoin-Kurs. In Franken umgerechnet mit dem Monatsendkurs der SNB, kaufkraftbereinigt mit dem Landesindex der Konsumentenpreise. Ohne Gebühren, Steuern und Kosten. Rechnung
| Bitcoin-Anteil | Endwert | Rendite p.a. | Volatilität | Grösster Verlust | Verlustphase (wieder auf dem Hoch) | Schlechtestes Kalenderjahr | Sharpe Ratio |
|---|
Grösster Verlust und Verlustphase beruhen auf Monatsendwerten; innerhalb eines Monats waren die Ausschläge grösser. Sharpe Ratio: Mehrrendite gegenüber dem Geldmarkt derselben Währung (SARON bzw. 3-Monats-T-Bill) geteilt durch die Schwankung, aus Monatswerten annualisiert.
5. Ausblick: Wie könnte es weitergehen?
Hier gibt es keine Daten, nur Annahmen. Aktien, Anleihen und Gold rechnen mit JPMs Erwartungen und Korrelationen. Für Bitcoin wählst du ein Szenario: eines der drei von JPM oder einen Pfad nach dem Power Law, das auf vacatum.ch für Bitcoin verwendet wird. Im Power-Law-Szenario bestimmt das Power Law nur die Bitcoin-Rendite; Volatilität und Korrelationen bleiben bei JPM. Die eigene Streuung des Modells um den Median fliesst nicht ein. Annahme
| Bitcoin-Anteil | Erwartete Rendite p.a. | Volatilität | Ungünstig (10 %) | Mitte (50 %) | Günstig (90 %) | Bitcoin auf dem Floor |
|---|
Endwerte nach dem gewählten Horizont. «Ungünstig (10 %)»: In 10 von 100 Fällen endet es schlechter; «Günstig (90 %)»: in 10 von 100 Fällen besser. Grundlage: log-normal verteilte Jahresrenditen mit JPMs Volatilitäten und Korrelationen, jährlich rebalanciert. Wechselkurs und Teuerung gehen als fester Trend ein, ihre Schwankungen nicht. Abstürze wie 2018 oder 2022 sind in einer Normalverteilung seltener als in der Wirklichkeit.
Spalte «Bitcoin auf dem Floor»: Bitcoin liegt an jedem Jahrestag genau auf dem Power-Law-Floor (34 % des Median, mit Sättigung 34 % der S-Kurve); er fällt also zuerst vom heutigen Kurs auf den Floor und steigt dann mit ihm. Die übrigen Anlagen wachsen mit JPMs erwarteter Rendite (Mitte), jährlich rebalanciert; Franken und Teuerung wie oben. Das ist die Untergrenze für den Bitcoin-Teil nach Modell, nicht für das ganze Portfolio — Aktien und Anleihen haben keinen Floor. Und sie gilt nur, solange das Power Law hält. Dass diese Spalte über der «Mitte» liegen kann, ist kein Rechenfehler: Bitcoin steigt in dieser Spalte vom heutigen Kurs bis zum Floor am Ende des Horizonts um … % pro Jahr (wie in der Tabelle «Power Law und JPM im Vergleich») — …. Liegt dieser Wert über JPMs Basisfall (10.0 %), liegt die Untergrenze nach Power Law über der Erwartung nach JPM — die beiden Modelle widersprechen sich, und genau das macht die Spalte sichtbar. Annahme Was der Floor für einen reinen Bitcoin-Bestand in Franken bedeutet, rechnet die Seite Power Law: Floor & Fair Value — mit derselben Formel und denselben Rechenfunktionen.
Power Law und JPM im Vergleich
Das Power Law beschreibt den Bitcoin-Kurs als Funktion der Zeit seit dem ersten Block (Santostasi & Perrenod 2026; Median = 10^(-16.509 + 5.690 · log10 Tage)). Support (45 %) und Floor (34 % des Median) sind Planungsgrenzen von vacatum.ch, nicht aus der Studie. Annahme Welche Jahresrendite das vom aktuellen Kurs aus bedeutet:
| Bitcoin nach … auf | Kurs nach 10 Jahren (USD) | Rendite p.a. | Kurs nach 15 Jahren (USD) | Rendite p.a. |
|---|---|---|---|---|
| Wird gerechnet … | ||||
Der Floor liegt damit über 10 Jahre …. Das Power Law ist ein empirisches Modell; es sagt nicht voraus, dass es weiter gilt. Für den Fall, dass es bricht, steht JPMs Bärenfall im Rechner. Mehr dazu: Power Law und Power Law: Realität oder Utopie?
6. Grenzen dieser Rechnungen
- Eine Periode, Normalverteilung: Die Rechnung in Abschnitt 2 kennt nur Mittelwert und Schwankung. Lange, tiefe Verluste wie bei Bitcoin 2018 und 2022 bildet sie nicht ab.
- Die Eingaben sind Schätzungen: Schon JPMs Spanne von −11.2 bis 16.6 % für Bitcoin zeigt, wie unsicher sie sind. Der Anteil mit der höchsten Sharpe Ratio reagiert stark darauf (Abschnitt 2.2).
- Korrelationen sind instabil: JPM nennt genau das als Grund, Bitcoin nicht ins Portfolio zu nehmen. Die Korrelationen der Tabelle sind historisch, nicht vorausgeschätzt.
- Rückblick mit Ersatzwerten: Die Anlageklassen sind über börsengehandelte Fonds abgebildet, nicht über die Indizes selbst. Gebühren der Fonds sind enthalten, Transaktionskosten, Depotgebühren und Steuern nicht.
- Franken als Trend: Im Ausblick verändert sich der Wechselkurs gleichmässig. Tatsächlich schwankt er, und in Krisen steigt der Franken oft, was ausländische Anlagen in CHF zusätzlich drückt.
- Persönliche Lage: Ob und wie viel Bitcoin zu jemandem passt, hängt an Anlagehorizont, Verlusttragfähigkeit und dem übrigen Vermögen — nicht an einer Sharpe Ratio.
Quellen und Methodik
- J.P. Morgan Asset Management: 2027 Long-Term Capital Market Assumptions, 31. Ausgabe, 78 Seiten, erschienen 19.10.2026, Daten per 30.09.2026. Report (PDF), Übersichtsseite. Verwendet: S. 4 (Key insights), S. 6 und 8 (Portfolios), S. 12 (Währungen), S. 18 (Makro), S. 46–47 (Bitcoin).
- Kursdaten Rückblick: ETF-Monatsschlusskurse inklusive Ausschüttungen (iShares MSCI ACWI, iShares Core US Aggregate Bond, SPDR Gold Shares) über Tiingo; veröffentlicht sind nur daraus berechnete Monatsrenditen. Bitcoin: Tagesschlusskurse aus dem vacatum-Datensatz.
- Schweizerische Nationalbank, data.snb.ch: USD/CHF Monatsende, Landesindex der Konsumentenpreise (BFS), SARON.
- Federal Reserve Bank of St. Louis, FRED: US-Konsumentenpreise (CPIAUCSL), 3-Monats-T-Bill (TB3MS).
- Santostasi, G. & Perrenod, S. (2026): A mechanistic derivation of the Bitcoin price power law. Nonlinear Science 8, 100172. doi. Support und Floor: Methodik von vacatum.ch.
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